Wenn man über das gefürchtete Bang Kwang Central Prison spricht, fällt oft der sarkastische Begriff „Bangkok Hilton“. Dieser Name stammt nicht, wie man vielleicht annehmen könnte, von einer luxuriösen Hotelkette, sondern von einer australischen Mini-Serie aus dem Jahr 1989. Die Geschichte handelt von einer fälschlich inhaftierten Frau und hat dazu geführt, dass Journalisten den Namen als Kurzform für thailändische Gefängnisse nutzen. Seltsam, oder? Es ist, als würde man das Grauen mit einem Augenzwinkern verbinden.

Bang Kwang, etwa 11 Kilometer nördlich von Bangkok gelegen, wurde in den 1920er und 1930er Jahren während der Herrschaft von König Chulalongkorn (Rama V) erbaut. Das Gefängnis hat eine Kapazität von rund 3.500 Insassen, doch die Realität sieht oft anders aus: Manchmal sind es bis zu 8.000 Häftlinge, was zu überfüllten Zellen und katastrophalen Bedingungen führt. Neuankömmlinge mussten früher die ersten drei Monate mit Fußfesseln verbringen – eine Praxis, die erst 2013 abgeschafft wurde. Heute ist es ein Ort, an dem das Überleben zum täglichen Kampf wird.

Die Realität der Insassen

Die interne Wirtschaft des Gefängnisses sorgt dafür, dass viele Insassen für zusätzliche Nahrungsmittel und Dienstleistungen bezahlen müssen. Ein einfaches Essen besteht aus einer Schüssel Reis mit Gemüsesuppe – nicht gerade ein kulinarisches Highlight. Wer mehr will, muss in der Gefängniskantine einkaufen. Hierbei wird ein Zettelsystem genutzt: Ärmer geführte Häftlinge arbeiten für wohlhabendere Insassen. Eine seltsame Hierarchie in einem Ort, der eigentlich Gleichheit und Gerechtigkeit symbolisieren sollte.

Bang Kwang ist berüchtigt für seine Todesstrafe, die heute durch eine Giftspritze vollzogen wird. Zuvor waren die Methoden deutlich brutaler. Hunderte von Insassen warten auf ihre Exekution, meist wegen Drogenvergehen. Die letzte Exekution fand im Juni 2018 statt. Es ist ein düsteres Kapitel in der Geschichte des Gefängnisses, das Amnesty International auf die Beobachtungsliste gesetzt hat. Krankheiten wie Tuberkulose und Aids sind aufgrund der miserablen hygienischen Bedingungen weit verbreitet, und der Zugang zu adäquater medizinischer Versorgung bleibt den Insassen oft verwehrt.

Erfahrungen von ehemaligen Insassen

Ehemalige Häftlinge schildern ihre grausamen Erlebnisse in Büchern. Warren Fellows, ein australischer Drogenhändler, verbrachte 12 Jahre im Gefängnis, bevor er 1990 durch eine königliche Begnadigung entlassen wurde. Seine Erlebnisse hat er in dem Buch „The Damage Done“ festgehalten. Jonathan Wheeler, ein Brite, war 18 Jahre lang hinter Gittern, nachdem er wegen Drogenhandels verhaftet wurde. Seine Erzählungen sind in „The Tiger Cage: 18 Years in Thai Prison“ nachzulesen. Diese Geschichten sind nicht nur schockierend, sondern auch ein eindringlicher Einblick in die Abgründe des thailändischen Justizsystems.

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Für ausländische Insassen gibt es eine Möglichkeit, durch königliche Begnadigungen oder bilaterale Abkommen in ihr Heimatland zurückzukehren. Thailand hat insgesamt 37 solcher Abkommen, die es ermöglichen, die Strafe im Heimatland zu verbüßen. Doch für die meisten bleibt Bang Kwang der einzige Ausblick – und das, obwohl sie denselben Gesetzen wie thailändische Staatsbürger unterliegen, ohne besondere Nachsicht oder diplomatische Immunität. Das Gefängnis ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich; nur Familienangehörige, Anwälte und genehmigte humanitäre Helfer dürfen es betreten.

Ein Blick in die Abgründe

Bang Kwang, auch bekannt als „Big Tiger“, zählt zu den unangenehmsten Haftanstalten weltweit. Die Gefängnisbedingungen sind so schlimm, dass Berichte über ungeklärte Todesfälle unter den Häftlingen nicht selten sind. Immer wieder gibt es Geschichten von Häftlingen, die den Kampf ums Überleben verlieren. Die EU-Botschaften bemühen sich zwar, ihre Staatsangehörigen mit Vitaminen und Zusatznahrung zu versorgen, doch das reicht oft nicht aus, um die verheerenden Bedingungen zu mildern.

Das Gefängnis hat ein düsteres Erbe, und während sich die Drogenpolitik in Thailand langsam verändert – Cannabis wurde 2022 entkriminalisiert – bleibt das Schicksal vieler Häftlinge, insbesondere wegen harter Drogen, besiegelt. Der Alltag hier ist kein Zuckerschlecken; Häftlinge müssen sich ihre Freiheit erkämpfen, während in anderen Ländern gute Führung zu einer vorzeitigen Entlassung führen kann. Hier in Bang Kwang hat das Wort „Freiheit“ eine andere Bedeutung.