Die Thailand Biennale hat mit ihrem zweiten Besuch in Phuket die Kunstszene der Insel wieder zum Leben erweckt. Nach einer ersten Präsentation in Chiang Rai Anfang 2024 setzt die Biennale den Fokus auf zeitgenössische Kunst, die nicht nur in Galerien, sondern auch im öffentlichen Raum erlebbar wird. Unter dem Motto „Eternal [Kalpa]“, einer hinduistisch-buddhistischen Zeiteinheit von rund 4,32 Milliarden Jahren, zeigt die Biennale, wie Kunst die Geschichte, wirtschaftliche Spannungen und soziale Kräfte der Region reflektiert.
Die Kuratoren Arin Rungjang, David Teh, Hera Chan und Marisa Phandharakrajadej haben es sich zur Aufgabe gemacht, langsame Rhythmen und lokale Geschichten in den Mittelpunkt zu stellen. So werden unter anderem die Fortpflanzungszyklen von Meeresschildkröten sowie das Gedächtnis der chinesischen Diaspora in Phuket thematisiert. Insgesamt 65 Künstler und Kollektive aus 25 Ländern, darunter etwa ein Drittel aus Thailand, präsentieren ihre Werke. 50 neue Aufträge sind in direkter Interaktion mit der Insel entstanden und verleihen der Biennale eine ganz besondere Note.
Vielfältige Veranstaltungsorte
Die Biennale findet an 19 unterschiedlichen Orten in drei Bezirken statt, darunter ein stillgelegtes Kraftwerk, eine ehemalige Likörbrennerei und ein altes Theater. Diese außergewöhnlichen Locations schaffen einen spannenden Dialog zwischen den Kunstwerken und ihren Umgebungen. Ein Beispiel dafür ist das Werk „A Path No Longer Smooth“ des Künstlers Woraphob Tantinantakul, das mit Stahlwegen über Zinnschlacke die Vergangenheit der Insel reflektiert. Ibrahim Mahama bietet mit seinen Installationen an zwei Standorten einen eindrucksvollen Kommentar zur kolonialen Geschichte und den Widerstand dagegen.
Die Biennale fördert nicht nur internationale Kunst, sondern bindet auch die lokale Bevölkerung aktiv ein. Diese ist nicht nur als Publikum, sondern auch als Teil der Kunstwerke integriert, was zu einem authentischen und interaktiven Erlebnis führt. Die Veranstaltung läuft vom 29. November 2025 bis 30. April 2026 und bietet damit ausreichend Gelegenheit, die Vielfalt und Kreativität der zeitgenössischen Kunst zu erleben.
Künstlerische Positionen und gesellschaftliche Themen
Besonders spannend sind die Beiträge, die gesellschaftliche Themen aufgreifen. Ayoung Kim behandelt im Municipal Gymnasium die Klimakrise, Arbeit und Technologie in einer spekulativen Fiktion, während Rossella Biscotti mit „RUBBER WORKS“ den kolonialen Kautschukhandel thematisiert. Aleksandra Domanović setzt mit einer LED-Anzeige ein Zeichen für die globale Erwärmung, indem sie die Temperaturen weltweit in Echtzeit anzeigt.
Ein weiterer Höhepunkt ist die Ausstellung von Imhathai Suwatthanasilp im Pearl Theatre, die von trans Performern hergestellte Bikinis und Burlesque-Kostüme zeigt. Oat Montien verwandelt den Raum in einen queeren Nachtclub mit seiner Installation „Pearl Boy Operating Theater“, während Serene Hui mit „Tiger’s Head, Nail’s Tail“ Briefe von Hokkien-Zinnminern in einem ehemaligen Gemeinschaftsort präsentiert. Diese Vielfalt an Themen und Stilen macht die Biennale zu einem einzigartigen Erlebnis.
Ein Teil eines größeren Ganzen
Die Thailand Biennale reiht sich in eine lange Tradition bedeutender Kunstveranstaltungen ein, die alle zwei Jahre neue künstlerische Visionen präsentieren. Städte wie Paris, Venedig, São Paulo und Berlin sind bekannt für ihre Biennalen, die oft auch als Plattform für gesellschaftliche und politische Themen dienen. In Venedig etwa gibt es derzeit Proteste gegen die Rückkehr Russlands zur Biennale, während die EU angekündigt hat, Konsequenzen für die Verantwortlichen zu ziehen. Diese globalen Verflechtungen und die Herausforderungen, denen sich die Kunstszene gegenübersieht, machen die Biennale noch relevanter.
Die Thailand Biennale in Phuket ist also nicht nur eine Feier der Kunst, sondern auch ein wichtiges Forum für den Dialog über Geschichte, Identität und soziale Themen. Wer die Möglichkeit hat, diese Veranstaltung zu besuchen, kann sich auf eine facettenreiche und anregende Erfahrung freuen.