Klage um einen Stern: Ein Kuchenladen und die Schattenseite der Kundenkritik in Thailand
Heute ist der 24.07.2026 und in Phuket haben sich die Wogen um einen Kuchenladen und dessen einen Stern bewertenden Kunden geglättet – zumindest vor Gericht. Ein bekanntes Café, das für seine süßen Versuchungen berühmt ist, hat eine Verleumdungsklage gegen einen unzufriedenen Kunden eingereicht, und zwar wegen einer negativen Bewertung, die sich über den Geschmack und die hohen Preise des Kuchens ausließ. Aus einem Streit über 1 Stern wollte der Laden satte 5 Millionen Baht Schadensersatz herausholen, doch das Gericht wies die Klage zurück und entschied, dass der Laden die Gerichtskosten von etwa 100.000 Baht tragen muss. Ein richtiger Schuss ins eigene Knie, würde man sagen!
Der Anwalt des Kunden, Arm Suwannaraksa, teilte das Urteil am 23. Juli auf Facebook mit und erinnerte uns daran, dass das rechtliche Vorgehen gegen Verbraucher nicht die erste Option sein sollte. Der Kunde, der 2025 das Etablissement besucht hatte, plante, seine eigenen rechtlichen Ansprüche weiterzuverfolgen – möglicherweise mit einer Gegenklage. Und so schließt sich der Kreis: während der Kuchenladen seine Türen mittlerweile geschlossen hat, bleibt die rechtliche Auseinandersetzung für den Kunden weiter bestehen. In Thailand ist das kein Einzelfall; Unternehmen neigen dazu, rechtliche Schritte gegen unzufriedene Kunden einzuleiten, was ein ernsthaftes Problem darstellt.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen
Thailand hat Gesetze, die sowohl zivilrechtliche als auch strafrechtliche Strafen für Verleumdung vorsehen. Doch, und das ist wichtig: Eine Anklage wegen Verleumdung führt nicht automatisch zu einer Verurteilung. Das thailändische Rechtssystem bietet verschiedene Verteidigungsmöglichkeiten, die unter dem Strafgesetzbuch und dem Strafprozessrecht festgelegt sind. So hat der Oberste Gerichtshof Thailands durch wegweisende Entscheidungen grundlegende Prinzipien etabliert. Unter diesen befinden sich acht Hauptkategorien von Verteidigungsmöglichkeiten, die einem Angeklagten in einem Verleumdungsfall zur Verfügung stehen.
Eines der zentralen Elemente ist der Nachweis von gutem Glauben. Der Angeklagte muss zeigen, dass keine böswilligen Absichten hinter seiner Äußerung stehen. Zu den Verteidigungsmöglichkeiten zählt beispielsweise die „Wahrheit im öffentlichen Interesse“, für die jedoch die Beweislast beim Angeklagten liegt. Das bedeutet, dass Aussagen über private Angelegenheiten nicht unbedingt unter den Wahrheitsbeweis fallen, während öffentliche Angelegenheiten schon. Mit den Anti-SLAPP-Vorschriften, die es ermöglichen, böswillige Klagen abzuweisen, können sich Beklagte gegen ungerechtfertigte Klagen zur Wehr setzen und ihre Stimme auch weiterhin erheben.
Ein Blick auf SLAPP-Klagen
Die Klage gegen den Kuchenladen ist ein klassisches Beispiel für eine SLAPP-Klage (strategische Klage gegen öffentliche Teilnahme). Solche Klagen zielen darauf ab, Kritiker zu belasten, sowohl finanziell als auch zeitlich. Während das Gericht in diesem Fall die Klage abwies, bleibt die Frage, wie viele andere Unternehmen ähnliche Taktiken anwenden, um unzufriedene Kunden zum Schweigen zu bringen. Besonders im digitalen Zeitalter, wo Meinungen in sozialen Medien in Windeseile verbreitet werden, ist es für Unternehmen umso wichtiger, einen konstruktiven Umgang mit Kritik zu finden.
Der Fall hat auch die Diskussion über die Rechte der Verbraucher und die Freiheit der Meinungsäußerung in Thailand angestoßen. Während die Gesetze darauf abzielen, Unternehmer vor ungerechtfertigtem Rufschaden zu schützen, sollten sie nicht dazu missbraucht werden, um legitime Kundenkritik zu unterdrücken. Ein schwieriger Balanceakt, der zum Nachdenken anregt.
